Der Leitspruch des Environmental Care Codes des Department of Conservation in New Zealand. Wie ich darauf komme, genau das haben Stephen und ich gestern und heute getan.
Alles fing an mit einer Wanderung der ganzen Familie zu den Whispering Falls. Die Jungs hatten ihre Räder mit, wir waren zu Fuß. So ging es zunächst durch Täler umgeben von Pinien-Wäldern. Diese Bäume sind nicht einheimisch, sondern werden im großen Stil zur Holzproduktion angepflanzt und dann relativ aufwendig gefällt und abtransportiert, die Hänge sind nämlich ziemlich steil. Außerdem verschandeln sie die Gegend, aber das ist wohl eine andere Sache. Nach ein paar Flussbiegungen fing dann der “echte” ursprüngliche Wald an und wir sind über Brücken und auf Hügel gewandert. Zwischenstopp bei einer kleinen Hölle, die die Jungs natürlich schon mehrfach erkundet haben und dann waren wir bei den ersten Wasserfällen.
Wie überall in Neuseeland gibt es auch hier so einige davon und dank des Regens der letzten Tage haben die Whispering Falls einen ordentlichen Teil Wasser getragen und sahen in Kombination mit der Sonne einfach schön aus. Was viele Touristen nicht wissen, der Weg über die Wasserfälle hinaus ist sehr lohnenswert. Nur an den Fällen vorbei den Hügel hinauf und man hat einen schönen Picknicktisch mit Blick auf den Richmond National Park. Dort kam Stephen dann auch eine Idee, auf die wir später zurückkommen.
Zunächst ging es nach einer Stärkung mit Banane, Orangen und Keksen zum Fotoshooting am Wasser und von dort den Weg wieder rückwärts. Doch an einer der Brücken haben wir unsere Route geändert und sind statt über die Brücke durch den Fluss gewatet (nasse Schuhe inklusive, aber daran gewöhne ich mich so langsam). Tracy kennt da ein sehr gutes Swim Hole (also eine Vertiefung des Flusses, die zum Schwimmen geeignet ist).
Nachdem wir schon seit weit über zwei Stunden in der warmen Sonne unterwegs waren habe selbst ich mich nicht vor dem kalten Wasser gescheut und den Sprung ins erfrischende Nass gewagt. Herrlich, einfach nur herrlich. Bin natürlich auch dementsprechend stolz auf mich, hab nämlich nicht nur Unterwasser-Beweis-Fotos gemacht, sondern bin doch tatsächlich auch eine Runde geschwommen, bevor ich wieder in die wärmende Sonne zurückgekehrt bin.
Nun fragt ihr Euch, was es denn nun mit Stephens Idee auf sich hat. Ursprünglich war für heute Schafe scheren angesagt, aber da der Wetterdienst Regen gemeldet hat und man keine nasse Wolle will, wurde das abgesagt. Außerdem haben wir uns beim Spazieren über Tramping unterhalten. Tramping ist die neuseeländische Art zu Wandern und beinhaltet neben dem “normalen” Trekking” eben auch “Camping”. Also vorzugsweise Übernacht-Trips. Dazu gibt es hier eine große Anzahl an kleinen Hütten, die in der Regel eine kleine Anzahl an Betten (mit Matratzen), einen Wassertank, einen Kamin und ein Plumpsklo haben, die auf Wanderwegen zwischen einem und vielen Tagen (häufig sind es 3-5) liegen. Eine solche Hütte ist auch in der Nähe meiner aktuellen Bleibe zu finden, die Starveall Hut. Okay, wie man sich jetzt schon denken kann, Stephen und ich haben also beschlossen eine Wanderung zu eben dieser Hüte zu unternehmen, dort zu übernachten und am nächsten Tag (höchstwahrscheinlich im Regen) wieder zurückzukehren.
Nichts leichter als das. Ich habe meinen großen Reiserucksack ausgepackt und zu einem Tramping-Rucksack umfunktioniert. Dafür habe ich meinen Schlafsack und Innenschlafsack, ein Kissen, Wechselklamotten, Regenjacke (von Tracy geliehen),Pauline, Zahnbürste und Zahnpasta, Erste Hilfe Set, Kameras mit geladenen Akkus, Taschenlampe und solche Dinge eingepackt und Stephen hat für einen Gaskocher, Topf, Milchpulver, sweetened condensed milk (herrlich für Tee), Tee, Kaffee und Verpflegung gesorgt. So ausgerüstet ging es dann mit dem kleinen Suzuki mit 4WD die Pinienberge hoch (das spart einige Stunden langweiliges bergauf Wandern). Und dann gings los.
Nach dem morgendlichen drei Stunden Wander-Spaziergang haben wir es in knapp 90 Minuten bis zur Hütte geschafft. Der Weg dorthin führt meist bergauf durch Wälder, über Steppen und wieder durch Wälder, vorbei an interessanten Felsformationen und immer mit tollem Blick direkt über den Wolken. War aber auch recht anstrengend, viel bergauf und dann noch diesen Rucksack auf dem Rücken. Der wurde dann aber in der Hütte abgelegt und es gab ein wohlverdientes und ersehntes Abendessen. Ganz delikat, Cracker mit Lachs aus der Dose und dazu Hummus. Wenn das mal nichts ist. Nein, war wirklich lecker und hat für den zweiten Teil der Wanderung gestärkt.
Die Sachen wurden in der Hütte zurückgelassen (wir waren sowieso die Einzigen dort) und dann ging es weiter auf Mt. Starveall. Es war bereits kurz vor Acht und während wir uns über Geröllfelder, an kleinen Baumsammlungen und über Felsen den Berg hinauf kletterten, machte die Sonne sich daran unterzugehen. Zu unserer Freude gaben die Wolken den Blick darauf frei und so durften wir uns, auf der Bergspitze angekommen, über einen wirklich herrlichen Sonnenuntergang freuen. Wenn auch etwas kalt, da der Wind uns nur so um die Ohren pfiff. Aber als echte Kiwi-Tramperin habe ich das alles in Shorts bestritten.
Der Rückweg wurde dann schon langsam dunkel, wir mussten unsere Stirnlampen aber erst in der Hütte nutzen und konnten so noch das letzte Farbspiel in der Nähe unserer Schlafstätte genießen. Weiter unten war es dann auch weniger kalt.
Bevor es ins Bett ging, wurde noch ein Tee gekocht (da kam die gesüßte Kondensmilch ins Spiel) und wir haben uns unsere Nachtstätten bequem hergerichtet. Zähneputzen nicht vergessen und dann kann man sich so lang unterhalten, bis man einschläft (oder meine Familie den Handyempfang auf den Bergen nutzt – im Tal bin ich ja von moderner Kommunikation dieser Art abgeschnitten). Danach habe ich gut geschlafen.
Heute morgen hat Stephen dann ein Feuer im Kamin angemacht und Milch angerührt. Dazu gab es Wheatbix und Tee. Bevor es losging haben wir uns wie erwünscht noch im Visitors Book eingetragen und unsere weiteren Absichten (falls wir verschollen gehen) vermerkt. Bis alles wieder verstaut war, hat es natürlich zu Nieseln begonnen. Aber echte Tramper kennen kein Wasser, oder so, und so sind wir bis auf eine kurze Regenjacken-Zwischen-Sequenz weiterhin mit kurzen Hosen und in T-Shirt den Weg wieder zurück zum Auto gewandert.
Ein wirklich tolles Wochen-Ende und dieses Tramping muss dringend wiederholt werden, ein Spaß!
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